Vorteile und Nachteile des Handlungsorientierten Unterrichts

Für und Wider des Handlungsorientierten Unterrichts

Meyer nennt sowohl Argumente für als auch gegen einen Handlungsorientierten Unterricht (1987b, 409 -411). Für den Handlungsorientierten Unterricht spricht, dass Kinder ohnehin ganzheitlich lernen, die Schule sollte sich der Lernweise ihrer Schüler also anpassen und praktisch handelnde Tätigkeiten den geistigen Tätigkeiten gleichstellen. Weiterhin verweist er auf die zunehmende Bedeutung von Selbstständigkeit im Berufsleben, jedoch auch im privaten Bereich. Dies setzt jedoch die Vermittlung dieser Kompetenz bereits in der Schule voraus. Handlungsorientierter Unterricht gewinnt außerdem an Bedeutung, weil es für die Schüler immer schwieriger wird, beispielsweise technische oder wissenschaftliche Zusammenhänge anhand reiner Anschauung zu begreifen und nachzuvollziehen.

Auch das Unterrichtsgeschehen betreffend spricht viel für den Handlungsorientierten Unterricht. Schüler, die in die Planung und Gestaltung des Unterrichts miteinbezogen werden, identifizieren sich eher mit diesem Unterricht, als wenn dies nicht der Fall ist. Die handelnd wahrgenommenen Inhalte ermöglichen effektivere Lernprozesse. Zudem bietet ein Handlungsorientierter Unterricht vielfältige Möglichkeiten, die Methodenkompetenz der Schüler gezielt zu entwickeln. Die Nebentätigkeiten der Schüler können durch die Handlungsorientierung sinnvoll umgelenkt werden. Neben einer möglichen besseren und sinnvolleren Begründung von Leistungsmaßstäben durch das gemeinsam vereinbarte Handlungsprodukt kann im Rahmen der Auswertung dieser Produkte eine gemeinsame Kultur der konstruktiven Kritik und Kontrolle der Unterrichtsprozesse gefördert werden.

Ein Einwand gegen den Handlungsorientierten Unterricht ist der, im Gegensatz beispielsweise zum Frontalunterricht, verhältnismäßig große Aufwand dieses Konzeptes, die Planbarkeit des Unterrichtsgeschehens ist hingegen sehr viel kleiner. Meyer verweist außerdem auf den „roten Faden“ des Unterrichtsgeschehens, welcher beim Handlungsorientierten Unterricht nicht immer leicht zu erkennen ist. Dies leitet sich daraus ab, dass die Unterrichtsschritte sich hier am Handlungsprodukt orientieren, nicht an der Struktur der Sache. Ein weiterer Einwand gegen das Konzept des Handlungsorientierten Unterricht ist die Unruhe, die es mit sich bringen kann. Auch die starke Fachorientierung vieler Lehrkräfte steht dem Handlungsorientierten Unterricht entgegen, der ja weiträumig fächerübergreifend stattfinden soll. Meyer beurteilt auch die curricularen Voraussetzungen als suboptimal. Eine vergleichende Leistungserhebung betrachtet er zwar als erschwert, aber durchaus möglich.

Gudjons (2001,13-21) begründet die Notwendigkeit des Handlungsorientierten Unterricht vor allem mit dem Wandel der allgemeinen Lebensverhältnisse und der damit verbundenen Tatsache, dass die Erfahrungen heutiger Kinder vorwiegend „Erfahrungen aus zweiter Hand“ sind. Er verweist auf den Verlust von direkten Erfahrungen im Umgang mit Gegenständen sowie Personen, beispielsweise im Haushalt, durch technischen Fortschritt. Kinder spielen vermehrt mit vorgefertigtem Spielzeug in ihren Kinderzimmern anstatt in der Umgebung. Auch das Raumerleben der Kinder hat sich, zumindest in urbanen Gebieten, stark verändert, weil die Entfernungen zwischen den für sie bedeutsamen Orten tendenziell länger werden, und sie sich weniger selbstständig zwischen ihnen bewegen (können). Eine entscheidende Veränderung in der kindlichen Lebenswelt stellt die Entwicklung und Ausbreitung der Medien, vor allem des Fernsehens, dar. Sie hatte zur Folge, dass Kinder vermehrt nicht die tatsächliche, sondern die abgebildete Realität wahrnehmen, sie eignen sich Informationen verstärkt auf der ikonischen Ebene an. Gudjons verweist darauf, dass Lernen jedoch Eigentätigkeit und aktive Auseinandersetzung mit dem Gegenstand voraussetzt.

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