Unterricht und Musik

Ich bin Freier Musiklehrer. Bin M.A. Klavier, gebe nachmittags verwöhnten Oberschichtskindern Unterricht, MILFs schmelzen dahin, wenn ich was am Klavier klimpere und vormittags habe ich seit längerem eine halbe Stelle an einer freien Schulen. Dort gebe ich ebenfalls verwöhnten Oberschichtskindern, die sich eben diese Schule leisten können, theoretischen Musikunterricht in der Oberstufe bis zur Abnahme des Musikabiturs Unterricht.

In den ersten Jahren war ich bestrebt, allen Kindern die Musik nahe zu bringen. Leider ist Musik eines dieser Fächer, die nicht ernst genommen werden. Wenn dann aber die 5 auf dem Zeugnis ist oder gar ein Unterkurs droht, realisiert der gemeine Schüler, dass das schon Auswirkungen haben kann.

Mittlerweile ist mein Bestreben nicht mehr, alle (!) mit guten Noten durchzubringen. Meine Verantwortung hat sich verlagert. Fühlte ich mich früher persönlich dafür verantwortlich jeden Schüler abzuholen, mitzunehmen und zu motivieren stehe ich heute auf dem Standpunkt, dass der Schüler mir zeigen muss, dass er interessiert ist. Ist er es nicht, gibts schlechte Noten. Es ist heute nicht mehr mein Problem, wenn jemand wegen Musik das Abi nicht besteht.

Ich glaube das ist eine sehr gesunde Einstellung, die ich mir bereits jetzt zu eigen gemacht habe. Viele im Studium und mit denen ich spreche, sehen im Lehrer wirklich den „Depp für alles“, der sich vor die Kinder schmeißt um ihnen ja noch den Aufstieg zu ermöglichen. Das werde ich nicht. Ich werde fordern aber auch geben. Wer nicht mitmacht kriegt seine schlechte Note.

Dieses wird den Schüler vor Beginn eines jeden Jahres klar kommuniziert. Wer mitmacht, hat nichts zu befürchten – wer meint, Musik sei zum Entspannen, der wird am Ende merken, dass es nicht so war.

Mein Tip: Alles von Anfang an genau dokumentieren – Eltern bekommen von ihren Kindern die komischsten Geschichten zu hören, warum die 5 dort ist.
Den Schülern klar machen, dass sie Leistung bringen müssen – müssen sie in den üblichen Fächern auch. Jedem Schüler die Chance geben, durch Referate, Hausarbeiten oder andere freiwillige Leistungen auch in den letzten Wochen vor den Zeugniskonferenzen die Kurve zu kriegen.

Ach ja – halbe Stelle heisst bei 12 Stunden a 45 Minuten rund 1500 Neeto. Vor- und Nachbereitung ist mittlerweile auf ein Minimum geschrumpft – ich gebe den Unterricht praktisch nur noch aus dem Ärmel geschüttelt. Ich will niemanden durchfallen lassen, aber Faulheit nicht bestrafen. Wenn da jemand mit vier Punkten noch nen Referat runterrasselt, bekommt er seine 5 und darf ein Feld weiterziehen.

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